Mann auf einer Brücke ohne Geländer

Wenn Gott nicht heilt – und trotzdem Wunder tut

Jürgen Ferrary
23. Januar 2026

Am vergangenen Sonntag ging während der Predigt im Gottesdienst eine Frau nach vorne. Sie erzählte, wie sie mit 30 Jahren unheilbar an Krebs erkrankt war. Alle Therapien waren ausgeschöpft. Die Ärzte hatten sie aufgegeben und auf die Palliativstation verlegt.

Ein Foto aus dieser Zeit zeigte eine glatzköpfige junge Frau, gezeichnet von Leid, Angst und Erschöpfung.

In einer Nacht, so berichtete sie, hatte sie eine Vision von Jesus. Er fragte sie nur zwei Dinge: „Liebst du mich? Und vertraust du mir ganz?“ Sie wusste, wohin sie nach ihrem Tod gehen würde – und sagte unter Tränen Ja. Nicht, weil sie leben wollte, sondern weil sie ihre Ewigkeit mit Jesus verbringen wollte.

Ob man es glaubt oder nicht: In diesem Moment erlebte sie eine Spontanheilung. Die Frau, die nun vor uns stand, war Ende 70 – seit Jahrzehnten krebsfrei. Ich hatte Tränen in den Augen. Doch dann zeigte sie ein zweites Foto: ihre Schwester. Ebenfalls mit 30 Jahren. Derselbe Krebs. Derselbe Leidensweg.

Doch ihre Schwester sagte irgendwann: „Hör auf zu kämpfen. Jede Familie bekommt nur ein Wunder.“ Und sie starb. Freude und Leid lagen an diesem Morgen erschreckend nah beieinander. Und viele Fragen blieben offen.

Ich weiß nicht, wie es dir geht, aber ich kenne solche Momente im Leben. Nachrichten, die wie Sackgassen sind: Krebs. Scheidung. Insolvenz. Unfruchtbarkeit. Arbeitslosigkeit.
Man erkennt sie daran, dass plötzlich alles entgleitet. Kontrolle geht verloren. Handlungsoptionen verschwinden. Und man merkt: Ich kann nichts mehr tun.

Und genau hier wird ein Satz entscheidend – je nachdem, wo man die Betonung setzt: Dann kann nur noch Gott helfen. Nicht: nur noch Gott – als letzte Notlösung. Sondern: Gott kann helfen.

Keine Situation liegt außerhalb unserer Kontrolle, ohne gleichzeitig in Gottes Hand zu liegen. Wenn du in einer Sackgasse stehst, dann fokussiere dich nicht darauf, was du nicht kannst – sondern darauf, was Gott kann.

Paulus schreibt über Abraham:
„Er vertraute auf den, der die Toten lebendig macht und das, was nicht ist, ins Dasein ruft“ (Römer 4,17).

Zwei Dinge kann Gott, die wir nicht können: Er macht Totes lebendig. Und er schafft Neues aus dem Nichts.

Wenn Gott Tote auferwecken kann, dann kann er auch eine tote Ehe neu beleben. Einer festgefahrenen Karriere neues Leben geben. Einen zerbrochenen Traum wieder aufrichten. Einen Weg schaffen, wo keiner sichtbar ist.

Aber das ist kein positives Denken. Positives Denken hilft dort, wo ich Kontrolle habe. Glaube beginnt dort, wo ich keine mehr habe. Der größte Teil unseres Lebens entzieht sich unserer Kontrolle – und genau deshalb brauchen wir Glauben mehr als Optimismus.

Jesus sagt: „Was für Menschen unmöglich ist, das ist für Gott möglich“ (Lukas 18,27).

Gott ist ein Spezialist für das Unmögliche. Aber – und das hat mich an diesem Sonntag tief bewegt – er handelt nicht immer so, wie wir es erwarten. Manchmal schenkt er Heilung hier. Manchmal schenkt er Heilung, indem er Menschen zu sich nach Hause holt.

Am Ende bleibt dieselbe Frage, die Jesus dieser Frau stellte – und die auch uns gilt: Liebst du mich? Und vertraust du mir wirklich?

Herausforderung für heute: Wo stehst du gerade vor einer Sackgasse? Sprich heute bewusst dieses Gebet – ehrlich, ohne fromme Floskeln: „Jesus, ich verstehe dich nicht immer. Aber ich vertraue dir.“


Sei gesegnet!

„Glaube ist nicht die Gewissheit, dass alles gut ausgeht, sondern die Gewissheit, dass etwas Sinn hat – egal wie es ausgeht“ (Václav Havel).

Mehr Gedanken

WordPress Cookie Hinweis von Real Cookie Banner
Warning